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Häufige Fragen
zu Wearables:
Wenn Messwerte verunsichern

Antworten auf typische Fragen zu Messwerten und Befunden

Auf dieser Seite beantworte ich häufig gestellte Fragen, mit denen sich Wearable-Nutzer an uns wenden zu meinen Büchern, zur Nutzung von Wearables und zu den EKG Bewertungen, die ich für Sie anbiete.

Der Algorithmus meines Wearables befundet mein EKG mit „uneindeutig“. Ich möchte aber dennoch wissen, welcher Herzrhythmus vorliegt.

Ja, unbedingt! Denn der Algorithmus, der die automatische Befundung erstellt, ist so programmiert, dass er nur zwei Rhythmen erkennt: den normalen Sinusrhythmus und das häufige Vorhofflimmern. Alle anderen Rhythmen bezeichnet er als uneindeutig (Näheres hierzu in Band 1 in Kapitel 6.2 Uneindeutige Befunde). Dieser Befundung kann also eine ernste Rhythmusstörung zugrunde liegen – oder auch nur ein verwackeltes EKG, was häufiger der Fall ist, weswegen es so wichtig ist, diese Unterscheidung zu treffen! Daher sollte ein solches als „uneindeutig“ befundetes EKG baldmöglichst einem Arzt zur abschließenden Beurteilung vorgelegt werden, was oft erst mit zeitlicher Verzögerung möglich ist. Bis dahin empfiehlt es sich, ein sofortiges zweites EKG unter optimalen Bedingungen abzuleiten, das heißt, in körperlicher Ruhe, mit abgelegter Hand, um es nicht zu verwackeln und ggfls. angefeuchteten Fingern, um einen guten Kontakt herzustellen. Wird dieses Kontroll-EKG mit „Sinusrhythmus“ befundet, war das erste EKG höchstwahrscheinlich verwackelt. Wird auch das zweite oder dritte Kontroll-EKG wieder mit „uneindeutig“ befundet, so sollte es möglichst bald von einem Arzt ausgewertet werden, insbesondere, wenn Beschwerden bestehen wie Herzstolpern, Herzrasen, Schwindel oder Atemnot (Näheres hierzu in Band 1 in Kapitel 5.3 Artefake und Kapitel 5.6 Vereinzelte Extraschläge).

Ich bin unsicher, ob der vom Algorithmus ausgegebene Befund „Sinusrhythmus“ tatsächlich stimmt, da mein Herz unregelmäßig pocht.

In der Tat kann die Algorithmus-Befundung „Sinusrhythmus“ verkehrt sein und in Wahrheit Vorhofflimmern vorliegen. Das ist glücklicherweise aber sehr sehr selten der Fall (Näheres hierzu in Band 1 in Kapitel 8.1 Unzutreffend als Sinusrhythmus befundet). Häufiger liegt bei subjektivem Herzstolpern tatsächlich ein Sinusrhythmus vor, in den einzelne, vorzeitig einfallende Extraschläge „eingestreut“ sind, was harmlos ist (Näheres hierzu in Band 1 in Kapitel 5.6 Vereinzelte Extraschläge). Das kann man auch als Laie an den überwiegend regelmäßigen Abständen zwischen zwei spitzen Zacken, die von einigen kürzeren Abständen unterbrochen sind, sehen oder im DIN A4-Ausdruck auszirkeln (s. Abb. 123 in Band 1). Sind es weniger als fünf kürzere Abstände (= vorzeitig einfallende Herzschläge) über die Registrierungsdauer von 30 Sekunden, so ist der Algorithmus so programmiert, dass er „Sinusrhythmus“ befundet, sind es mehr als 5/30sec, bewertet er es mit „uneindeutig“. Als Sofortmaßnahme kann der Kreislauf, z.B. durch 3 min schnelles Gehen oder Treppensteigen, angeregt werden und direkt anschließend – bei noch beschleunigtem Puls – ein Kontroll-EKG abgeleitet werden, denn harmlose Extraschläge verschwinden unter Belastung. Leitet man das Kontroll-EKG jedoch „zu spät“ ab, so ist das Herz in den Ruhemodus zurückgekehrt, in dem die Extraschläge wieder auftreten. Zur Sicherheit sollten aber auch diese EKGs einem Arzt zur Nachbefundung vorgelegt werden.

Mein Wearable misst einen Puls von unter 50, das EKG zeigt aber eine Herzfrequenz von über 70 an und ich möchte wissen, warum das so ist und was von beidem stimmt?

Das ist eine häufige Frage zu einer verwirrenden Beobachtung und hängt damit zusammen, dass die Pulsfrequenz nicht gleich der Herzfrequenz ist. Für die meisten Menschen ist diese Unterscheidung neu und überraschend. (Näheres hierzu in Band 1, Kapitel 3.4 Zu langsamer Puls wegen eines peripheren Pulsdefizits). Vereinfacht erklärt misst eine Smartwatch rund-um-die Uhr die am Handgelenk ankommenden PULSwellen. Unterbrechen jedoch vorzeitig einfallende Extraschläge die regelmäßige Herzschlagfolge, so führen diese Extraschläge nicht zu Pulswellen, die am Handgelenk ankommen, weswegen es sein kann, dass das Herz mit siebzigmal pro Minute schlägt, davon aber zwanzigmal vorzeitig, sodass am Handgelenk nur die 50 Pulswellen der Normalschläge gemessen werden können. Da es aber auch sein kann, dass ein Herz tatsächlich langsamer als fünfzigmal pro Minute schlägt (Näheres hierzu siehe Band 1, Kapitel 5.15 Zu langsamer Herzschlag) ist es empfehlenswert, derartige Messwerte sofort mittels eines Wearable-EKGs zu überprüfen.

Mein Wearable gibt bei drei unmittelbar nacheinander registrierten EKGs drei unterschiedliche Befunde aus. Kann das sein? Welcher Rhythmus liegt tatsächlich vor?

Ja, eine solche, verunsichernde Situation kann tatsächlich eintreten (Näheres hierzu siehe Band 1, Kapitel 7 Unterschiedliche Bewertungen bei kurz nacheinander abgeleiteten EKGs). Da sowohl die erste, als auch die zweite, als auch die dritte Befundung richtig oder alle drei falsch sein können, sollten diese EKGs zeitnah einem Arzt zur Nachbefundung vorgelegt werden. Bestehen in diesem Moment jedoch ungewöhnliches Herzstolpern oder Herzrasen, Schwindel oder Luftnot, so sollte sofort der Notdienst unter 112 gerufen werden.

Die App meines Smartphones gibt unplausible HRV-Werte aus. Womit kann das zusammenhängen?

Dass HRV-Werte oftmals nicht mit der subjektiven Körperwahrnehmung übereinstimmen, ist eine sehr sehr häufige Beobachtung und kann mehrere Ursachen haben (Näheres hierzu in Band 2, Kapitel 3.2.5 Interpretation der HRV). Der häufigste Grund ist das Auftreten von Extraschlägen, die bei der Analyse der HRV herausgerechnet werden müssen, was unterschiedliche Wearable-Hersteller in unterschiedlichem Maß umsetzen, aber als Betriebsgeheimnis nicht bekannt geben. Daher ist es unerlässlich, dass durch begleitende EKG-Registrierungen sichergestellt ist, dass die HRV eines Nutzers nicht durch individuelle Rhythmusstörungen verfälscht ist. Darüber hinaus sollte der Nutzer über Kenntnisse des Zusammenhangs zwischen dem vegetativen Nervensystem und der HRV verfügen, um seine HRV einordnen und verstehen zu können (Näheres siehe Band 2 in Kapitel 3.2 HRV und das vegetative Nervensystem).

Die von meinem Wearable gemessene Sauerstoffsättigung liegt unter 95 %, ich habe aber keine Luftnot. Muss ich mir Sorgen machen?

Wenn keine Luftnot vorliegt, ist dies erst einmal ein gutes Zeichen. Folgende Aspekte sollten jedoch beachtet werden (Näheres siehe Band 2 in Kapitel 3.4 Sauerstoffsättigung):

  1. liegt tatsächlich ein Wert von unter 95% vor wie zum Beispiel bei einer Messung in den Bergen über 2000 m bzw.  in einem Verkehrsflugzeug oder handelt es sich um eine Fehlmessung? Letzteres kann bei einer Sauerstoffmessung an der Fingerkuppe oder dem Handgelenk dann der Fall sein, wenn die Hand nicht ausreichend durchblutet ist, also wenn man zum Beispiel an einem kalten Wintertag im Freien misst. Zum Ausschluß einer solchen Fehlmessung empfiehlt es sich, die Hände eine Weile warm zu waschen und die Messung danach bei Raumtemperatur zu wiederholen.
  2. wird auch nach diesem durchblutungsfördernden Maneuver ein Wert von unter 95 angezeigt kommt es darauf an, wie niedrig der Wert ist. Sättigungen zwischen 90 und 95 % sind nicht kritisch – zumal, wenn subjektiv keine Luftnot besteht – sollten aber bei Gelegenheit ärztlicherseits abgeklärt werden. Liegt der Wert jedoch unter 90 %, so sollte dies zeitnah abgeklärt werden, es sei denn:
  3. der Nutzer ist ein chronisch lungenkranker Patient, die niedrige Sauerstoffsättigung ist bekannt und der Betreffende ist daran adaptiert.

Das von meinem Wearable registrierte EKG wird mit „Vorhofflimmern“ befundet. Was soll ich tun?

Vorhofflimmern (VHF) ist eine häufige, anfangs nur zeitweise auftretende Herzrhythmusstörung, die nicht nur Herzkranke, sondern auch Herzgesunde und Sportler bekommen können und die mit dem Alter zunimmt (unter 50 Jahre unter 1 %, über 60 Jahre 5 %, über 80 Jahre 10 bis 15 % Betroffene). Da VHF auch asymptomatisch sein kann, ist die Dunkelziffer hoch, weswegen die frühzeitige, oftmals zufällige Dokumentation im Wearable-EKG ein Glücksfall sein kann, denn VHF und das verwandte Vorhofflattern können zu einem Schlaganfall führen, der – wenn das VHF rechtzeitig erkannt wird – verhindert werden kann (Näheres siehe Band 1 in Kapitel 3.6.3 Vorhofflattern oder Vorhofflimmern).
Ist bei einem Nutzer das VHF bereits bekannt, so weiß er von seinem behandelnden Arzt, wie er zu reagieren hat, z.B. mit einer Bedarfsmedikation (pill-in-the-pocket).
Ist es noch nicht bekannt, so sollte sich der Betreffende zeitnah bei seinem Arzt vorstellen und das mit „Vorhofflimmern“ befundete EKG vorlegen, damit der Arzt zum einen die Algorithmus-Befundung überprüfen und zum anderen eine individuelle Therapie einleiten kann. Bestehen dabei jedoch Symptome wie Herzrasen, Schwindel, Luftnot oder gar Lähmungserscheinungen, so sollte der Notarzt sofort hinzugerufen werden.

Wie soll ich die mit meinem Wearable gemessene QTc-Zeit und andere Parameter wie QRS oder PR interpretieren?

Die QT-Zeit im EKG sagt etwas über das Risiko von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen aus, die QRS-Zeit über Reizleitungsstörungen, die bei Erkrankungen des Herzmuskels auftreten können und die PR-Zeit darüber, ob ggfls. ein Schrittmacher implantiert werden muß. Dieses Thema ist jedoch so umfangreich, dass diese wichtigen Fragen lassen sich nicht in wenigen Sätzen erklären lassen, weswegen ich hierfür die Lektüre von Band 2 empfehle.

Wie zuverlässig sind die mit meinem Wearable gemessenen Blutdruckwerte?

Goldstandard für die Messung des Blutdrucks im Alltag ist die Messung mit den handelsüblichen Geräten am Oberarm oder Handgelenk, die den Blutdruck über eine aufblasbare Manschette messen. Wearables, die den Blutdruck über die optische Analyse der Pulswelle gar nicht direkt messen können sondern lediglich abschätzen, kommen an deren Genauigkeit und Zuverlässigkeit nicht heran, müssen mindestens monatlich nach kalibriert werden und sind zudem sehr störanfällig. Einer solchen Schätzung sollte man keine Beachtung schenken!
Handelt es sich hingegen um ein Wearable, bei dem eine im Armband eingearbeitete, aufblasbare Manschette den Blutdruck misst, so sind derartige Messungen mit denen handelsüblicher Handgelenksblutdruckmessgeräte vergleichbar. Deren Nachteil besteht jedoch darin, dass man das in diesem Fall klobige Wearable ständig am Handgelenk trägt, während man das Gerät bei den herkömmlichen Geräten nur zur Blutdruckmessung anlegt (Näheres siehe Band 2 in Kapitel 3.6 Blutdruck).